• Nico Decurtins

Nachhaltigkeit im Sport und die SDG



Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung als Orientierungshilfe für den Sport.


Um zu verstehen, in welchem Verhältnis die Nachhaltigkeit und der Sport stehen, lohnt sich ein Blick auf eine der Definitionen von Nachhaltigkeit respektive einer nachhaltigen Lebensweise. Diese besagt:


“Unsere Bedürfnisse befriedigen, ohne die Befriedigung der Bedürfnisse zukünftiger Generationen zu gefährden.”

Oder anders gesagt: Das zu erhalten, was wir lieben, damit es zukünftige Generationen mindestens genauso lieben können. Das bezieht sich auf verschiedene Aspekte des Lebens, unter anderem eben auch auf den Sport. Wenn wir möchten, dass unsere Kinder auch in Zukunft noch im Januar Skifahren, im Sommer in unseren Seen baden, bedenkenlos mit dem Fahrrad zur Schule fahren oder unabhängig von ihrem sozialen Status oder ihrer Hautfarbe an ein Basketballspiel ihrer Lieblingsmannschaft pilgern können, dann müssen wir heute die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Dann müssen wir heute nachhaltig denken und vor allem handeln.

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (englisch: Sustainable Development Goals, SDGs) sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen, welche weltweit der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen. Seit 2016 in Kraft definieren sie bis 2030 die wichtigsten Nachhaltigkeitsziele für unsere Gesellschaft. Sie wurden ursprünglich für Länder geschaffen, finden aber auch in immer breiteren Wirtschafts- und Kulturkreisen Verwendung. Es ist aber bei genauerem studieren der 17 Ziel wichtig, diese initiale Zielgruppe im Hinterkopf zu haben. Denn nicht alle Unterziele sind 1:1 auf die privatwirtschaftliche Ebene applizierbar.

Bei Betrachtung der Ziele wird aber schnell klar, wie vielschichtig Nachhaltigkeit sein kann. Von der Eliminierung von Armut bis zur Förderung von erneuerbaren Energiequellen; von Geschlechtergleicheit bis zum Kampf für ein besseres Leben unter Wasser – die Themen, aber entsprechend auch die Wirkungsfelder für nachhaltiges Tun sind vielfältig.



Die SDG und der Sport


Auch für den Sport als Teil unserer Gesellschaft bieten die SDGs eine hervorragende Orientierung. Für Vereine, Verbände, Ligen, aber auch für Sportsponsoren. Schnell wird dabei klar, wieviele Verbindungen zwischen den einzelnen SDGs und der Sportwelt gemacht werden können. Eine Auswahl (um das Zusammenspiel zwischen SDGs und Sport besser zu verstehen, empfiehlt sich auch dieser Artikel oder diese Publikation):


SDG 1 – keine Armut:

Viele Sportorganisationen arbeiten mit Stiftungen und Hilfswerken zusammen, über welche sie direkte Armutsbekämpfung betreiben können.



SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen:

Per Definition bietet der Sport Menschen die Möglichkeit, sich auf vielfältige Art und Weise zu bewegen. Das führt sowohl zu physischen als auch psychischen Verbesserungen.



SDG 5 – Gleichstellung der Geschlechter:

Hier hat der Sport mit Sicherheit noch Potential. Sei es hinsichtlich gleicher Bezahlung oder der Vertretung von Frauen in sportpolitischen Gremien.



SDG 12 – Nachhaltiger Konsum und Produktion:

Insbesondere dann ein Thema, wenn grosse Massenveranstaltungen stattfinden, bei denen viel konsumiert wird. Da stellen sich wichtige Fragen in den Bereichen Gastronomie oder Merchandising zum Beispiel.



SDG 13 – Massnahmen zum Klimaschutz:

Viele Sportarten sind abhängig von guten klimatischen Bedingungen. Man denke nur an schneearme Winter, Dürreperioden oder Hitzewellen, die ganze Veranstaltungsreihen Schachmatt setzen können. Gleichzeitig verursacht der Sport selber Klimaschäden, insbesondere durch Reiseaktivitäten oder Abfallberge bei Grossanlässen. Diese Wechselwirkung gilt es zu berücksichtigen und zu adressieren.



SDG 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele:

Der Sport ist eingebettet in eine Gesellschaft. Er steht im Austausch mit politischen Behörden und er ist zu einem grossen Teil abhängig von Sponsoren, die aus der Privatwirtschaft kommen. All das führt zu Abhängigkeiten, aber es führt auch zu Opportunitäten, um gemeinsam nachhaltige Themen anzustossen und Projekte umzusetzen. Hier bieten sich enorme Potenziale.



Fokuspunkte Definieren


Wer sich dem Thema Nachhaltigkeit verstärkt widmen möchte, dem empfehlen wir mit einer Auslegeordnung zu beginnen. Was macht man als Organisation bereits, das im Zusammenhang mit den SDGs steht? Wie sehen die aktuellen Nachhaltigkeitsbemühungen aus? Wenn diese schriftlich festgehalten sind, sollte man sich überlegen, in welchem SDG man als Organisation die grössten Hebel hat. Wo hinterlässt man selber den grössten Fussabdruck? Wo hat man den grössten Einfluss? Welches Gebiet betrifft einen direkt am meisten und kann deshalb auch am glaubwürdigsten adressiert werden? Hier können die SDGs ein hervorragender Anhaltspunkt sein. Hat man die für sich relevantesten 3-4 Themenfelder definiert, sollte man sich überlegen, welche Unterziele man verfolgen möchte. Mehr als 4 SDGs führen meistens zu einer internen Überforderung. Darum ist es sinnvoll, erst einmal mit 3-4 zu starten und dann zu einem späteren Zeitpunkt weitere ins Auge zu fassen.

Sind die Unterziele ebenfalls definiert, kann man sich ans Ausarbeiten von Massnahmen machen. Genau wie die Ziele müssen auch diese stark an die Gegebenheiten und Möglichkeiten der Organisation angepasst werden – sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich des Zeithorizonts. Letztlich ist niemandem gedient, wenn man zu viel in zu kurzer Zeit erreichen möchte. Das führt schnell einmal zu Frustration und Resignation.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit, Massnahmen messbar zu machen. “If you can’t measure it, you can’t change it”. Das ist Teil der Analyse der Ausgangslage. Sofern man ein Tätigkeitsfeld gefunden hat, das einem wichtig ist, sollte man versuchen Datenpunkte dahinter zu setzen und eine Art Benchmarking zu betreiben, damit man Fortschritte im Laufe der Zeit nachvollziehbar für alle ausweisen kann. Hier sei allerdings erwähnt, dass es gerade im Bereich sozialer Engagements schwierig ist, konkrete Ziele oder Neudeutsch KPIs dahinter zu setzen. Dennoch sollte man sich mit der Fragestellung auseinandersetzen. Wer handelt ohne zu messen hat keine Chance, sich zu verbessern.

Einer der Vorteile der SDGs ist ihre globale Wiedererkennung. Es lohnt sich daher, mit diesen Zielen auch in der Kommunikation zu arbeiten. So kann man wirksam aufzeigen, welche Themen man mit welchen Massnahmen verfolgt und welchen Beitrag man selber als lokale Organisation zur Erreichung der globalen SDGs leistet. Wie dies aussehen kann, zeigen die Beispiele von Brynäs IF in Schweden oder vom IOC, welches im Nachhaltigkeitsbericht im Rahmen der Olympischen Spiele in Tokyo ebenfalls starken Bezug zu den SDG nimmt.

Für eine vertieftere Auseinandersetzung mit den SDGs und das einfachere Herausarbeiten der Ziele, die am besten zur eigenen Organisation passen, empfehlen wir den Besuch und die Verwendung des SDG Action Managers. Er wurde von B Lab und UN Global Compact entwickelt und dient Organisationen unterschiedlicher Grössen als sinnvoller Einstieg in die Thematik. Die Plattform, auf der man sich kostenlos registrieren kann, verfügt über zahlreiche nützliche Tools und Informationen rund um Nachhaltigkeitsthemen. Auch kann man dort über eine Reihe von Selbsttests selber herausfinden, wo man als Organisation steht in Sachen Nachhaltigkeit. Es besteht die Möglichkeit, sich selber Ziele zu geben und man kann auf Basis der Informationen, welche man im SDG Action Manager hinterlegt, eine B Corp Zertifizierung anstreben.


Immer wieder werden Rufe laut nach einem Framework, einem Bezugssystem an dem man sich als Organisation orientieren kann, wenn man das Thema Nachhaltigkeit strategisch angehen kann. Denn oftmals wissen Organisationen zwar, dass Nachhaltigkeit wichtig ist. Sie wissen aber nicht, wie sie es angehen sollen. Die UNO hat mit den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung genau ein solches Bezugssystem geschaffen. Egal, ob man tief darin eintaucht, ob man es als oberflächliche Referenz zur Marketing-Zwecken heranzieht oder ob man mit einem ganz anderen Framework arbeitet: Die SDGs werden uns in den nächsten Jahren weiter begleiten, passiv oder aktiv. Darum lohnt sich eine Auseinandersetzung mit ihren Vor- und Nachteilen. Ob im Sport oder anderswo.

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