• Nico Decurtins

Nachhaltigkeit im Wassersport

Dieser Artikel wurde im Frühling 2022 publiziertin: Anne Mirjam Schneuwly (Hrsg.), Wassersportkommentar, https://wassersportkommentar.ch/nachhaltigkeit


Bildquelle: Soneva


I. Eine Annäherung an den Begriff der Nachhaltigkeit


Der Begriff „Nachhaltigkeit” ist in den Medien und in der Literatur allgegenwärtig und seine Bedeutung je nach wissenschaftlichem Hintergrund sehr unterschiedlich interpretierbar. Aus betriebswissenschaftlicher Perspektive stellt sich die Frage, wie ein Unternehmen nachhaltig geführt werden kann, indem bspw. die Politik Weichen für eine nachhaltige Zukunft stellt. In der Finanzwelt nimmt die Bedeutung von nachhaltigem investieren und die Verwendung des Begriffs ESG (Environment, Social, Governance) rasant zu – genauso wie ein daraus resultierender Missbrauch des Begriffs. Und selbst im Sport finden sich Nachhaltigkeitsthemen immer häufiger. Entweder direkt, wenn es darum geht, wie Sportler oder Vereine selbst nachhaltig agieren können. Oder indirekt, wenn z.B. ein Sponsor an einen Verein herantritt und Nachhaltigkeitsthemen in die Partnerschaft hineintragen möchte.

Das Thema Nachhaltigkeit ist indes nicht neu: So definierte etwa die Brundtland Kommission – auch Weltkommission für Umwelt und Entwicklung genannt – bereits im Jahre 1987 die Nachhaltigkeit als Entwicklung, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“


Nachhaltigkeit wird in der Wirtschafts- und Rechtswissenschaft häufig in drei Kernthemen unterteilt: Umweltbelange (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance), kurz: ESG. Vereinfacht gesagt sollen ökologische, soziale und ökonomische Verantwortung übernommen und Strukturen geschaffen werden, in denen man als Unternehmen über einen bestimmten Zeithorizont agieren kann, ohne ein Ungleichgewicht zwischen Ressourcen-Entnahme und Ressourcen-Rückgabe zur Sicherung der eigenen Existenz zu schaffen.


A. Die UNO Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG)


Eine sehr hilfreiche Orientierung schufen 2015, im Rahmen der Pariser Klimakonferenz COP21, die Vereinten Nationen mit der Formulierung von 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung, den sogenannten Sustainable Development Goals (SDGs) (United Nations. The Sustainable Development Goals. Department of Economic and Social Affairs, 2015 <https://sdgs.un.org/goals> besucht am 13.11.2021). Sie umfassen Themen wie Gewässerschutz oder erneuerbare Energien genauso wie Bildungsfragen, Gleichberechtigungsanliegen oder die Hungersnot. Allein die Tatsache, dass daran angeknüpft 169 Unterziele verfolgt werden, zeigt, wie vielfältig Nachhaltigkeit sein kann. Ursprünglich geschaffen, um Ländern dabei zu helfen, Fokuspunkte und Leitplanken für ihre Nachhaltigkeitsbemühungen zu geben, finden die SDGs inzwischen auch des Öfteren in der Privatwirtschaft oder im Sport Anwendung. Ebenso wichtig wie der Begriff „Nachhaltigkeit“ (engl. sustainability) ist dabei der Aspekt der „Entwicklung“ (engl. development); denn bei den SDGs geht es nicht unbedingt um quantifizierbare Nachhaltigkeitsziele, sondern um Entwicklungsziele und den Prozess hinter der Zielerreichung.


Bild 1: Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) (Quelle: Vereinte Nationen)


B. Nachhaltigkeit im Kontext des Wassersports


Im Wassersport wird Nachhaltigkeit in erster Linie mit dem Thema Ökologie assoziiert, doch auch die soziale Nachhaltigkeit ist von Bedeutung. Wassersport und seine Verbände bieten Möglichkeiten, den seelischen und körperlichen Gesundheitszustand zu fördern, was das SDG-Ziel „Gesundheit und Wohlergehen“ (SDG 3) bedient. In den verschiedenen Vereinen müssen Mitglieder in ihrer Sportart geschult werden oder theoretische Prüfungen ablegen, was das Thema „Bildung“ fördert (SDG 4). Auch sollten die Wassersportarten für jede und jeden zugänglich sein, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Geschlechter- oder Einkommenssituation (SDG 5 und 10). Zudem sollen nur finanziell gesunde Verbände und Vereine auch in Zukunft überleben können, was die Wichtigkeit der ökonomischen Nachhaltigkeit untermauert.

Alle Wassersportarten, welche in der Folge diskutiert werden, finden in der freien Natur statt. Daher liegt der Fokus dieser Nachhaltigkeitsbetrachtung insbesondere auf den Themen, welche mit der ökologischen Komponente der Nachhaltigkeit zu tun haben. Die SDGs befolgend heisst, dass wir uns auf das „Leben unter Wasser“ (SDG 14) und das „Leben an Land“ (SDG 15) fokussieren. Es sind die Bereiche, bei welchen die Wechselwirkung zwischen Wassersportler*innen und Umwelt am grössten sind.


II. Wieso sich der Wassersport mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen sollte


Der Slogan „No Planet, no Play”, also „Kein Planet, kein Spiel” trifft gerade im Wassersport besonders zu. Denn die Wechselwirkungen zwischen Sport und Umwelt, auf die gleich eingegangen wird, sind im Bereich Wassersport besonders stark ausgeprägt (Madeleine Orr. How Climate Change affects the sports industry. Webinar als Teil der Sustainability Leadership Series. https://www.youtube.com/watch?v=F3Fw2r_T3Pw, besucht am 22.3.2021).


A. No Planet no Play


Ohne Wasser kann es keinen Wassersport geben, aber Wasser allein garantiert noch keinen Sport. Einerseits sind saubere Gewässer, welche nicht durch Abfall oder chemische Stoffe verschmutzt sind, Voraussetzung für die gefahrlose Ausübung der Wassersportarten. Andererseits kann beobachtet werden, dass der Klimawandel das Wetter insbesondere für Outdoor-Sportarten – und somit für die meisten Wassersportarten – negativ beeinflusst. Ist der Wellengang zu stark, die Wasserverschmutzung zu gross, das Wasser zu warm oder zu kalt, der Wind zu kräftig oder der Regen zu andauernd, beeinträchtigt dies die Möglichkeiten, Wassersport zu betreiben. Es ist gilt mittlerweile als erwiesen, dass wir in den kommenden Jahrzehnten stärkere, längere und häufigere Wetterphänomene beobachten werden (IPCC. Sechster IPCC Sachstandsbericht [AR6]. 2021). Grund ist insbesondere die Erderwärmung, welche nicht zuletzt durch einen Anstieg von Treibhausgasen in der Atmosphäre verursacht wird.


B. Wassersport als Treibhausgasemittent


Auch wenn auf den ersten Blick die Frage nach Treibhausemmissionen in nicht motorisierten Wassersportarten wie Rudern oder Segeln irrelevant erscheint, gilt es zu bedenken, dass auch hier durchaus CO2 ausgestossen wird. Einerseits direkt durch die Mobilität bzw. die Reise an den Ausübungsort und andererseits indirekt durch das zum Einsatz gelangende Material, wie die folgenden Ausführungen zu erläutern versuchen.


1. Reisen und Transporte

Bis der Mensch an den für seinen Sport benötigten Gewässern ist, werden oft hunderte, manchmal tausende von Kilometern zurückgelegt: Es wird gefahren oder geflogen. Auch ohne internationalen Flugverkehr verursacht der Verkehr knapp ein Viertel der Treibhausgas-Emissionen auf Schweizer Territorium. Davon gehen über zwei Drittel auf das Konto von Personenwagen (WWF. Verkehr – kürzere Wege, ökologischer unterwegs. https://www.wwf.ch/de/unsere-ziele/verkehr-kuerzere-wege-oekologischer-unterwegs, besucht am 1.2.2022). Bei reiseintensiven Hobbys kann das entsprechend schnell zunehmen. Aber nicht nur der Mensch reist, auch das ganze Material – und in gewissen Wassersportarten ist das nicht wenig – muss von A nach B transportiert werden. Dabei werden tonnenweise CO2 emittiert. Tonnen, welche schnell in Vergessenheit geraten können.


2. Eine Frage des Materials

Womit wir bei einer zweiten wichtigen Quelle von Treibhausgasen sind: dem Material. Die meisten Produkte, welche in Wassersportarten eingesetzt werden, verursachen entweder direkte oder indirekte Treibhausgase. Entweder durch die für die Herstellung erforderliche Energie oder durch die verarbeiteten Bestandteile selbst. Aber auch der Transport der Waren an ihren Zielort verursacht Emissionen. Gerade in Wassersportarten ist das eingesetzte Material von grosser Bedeutung. Man denke nur an Boote, Segel, Textilien für die Wassersporttreibenden, Surfbretter oder Seile. Eng verknüpft mit der Materialfrage ist die Rolle, welche das Gewicht der Ausrüstung spielt. Um dieses zu reduzieren, wird viel auf Kunststoff oder Kohlefaser zurückgegriffen. Kohlefaser, auch Karbon genannt, ist ein Material, welches einen sehr hohen ökologischen Fussabdruck aufweist (Citizen sustainable. Ist Carbon nachhaltig? <https://citizensustainable.com/de/carbon-nachhaltig/> besucht am 16.11.2021). Und Kunststoff wird auf Basis von Erdöl hergestellt. Das ist insbesondere darum problematisch, weil bei der Entsorgung dieser Materialien häufig nur auf umweltbelastende und CO2-verursachende Methoden – wie das Verbrennen – zurückgegriffen werden kann. Es kommt nicht von ungefähr, dass sich auf Initiative des World Sailing Trusts ein Projekt mit der Zirkularität von Karbon ausein auseinandersetzt (Carbon fibre circular demonstration project. <https://worldsailingtrust.org/planet/carbon-fibre-circular-demonstration-project> besucht am 23.5.2022)

Zum Bereich der Materialen zählt nicht zuletzt auch die sportartenspezifische Bekleidung. Die meisten aktuell zum Einsatz kommenden Sportbekleidungen bestehen zu einem grossen Teil aus Polyester und Elastan, zwei Stoffen, die ebenfalls auf Basis von Erdöl hergestellt werden. In diesem Kontext muss auch das Thema Neopren erwähnt werden. Im Surfen oder Kajaken eingesetzte Neoprenanzüge bestehen aus Chloroprenkautschuk, einem synthetischen Gummi, welcher durch eine chemische Reaktion von Chloropen und Polymeren gewonnen wird. Dieser Vorgang verbraucht nicht nur Ressourcen wie Erdöl und Metalloxide, sondern auch enorm viel Energie und Wasser (Til Hofmann. Neopren nachhaltig: Kaufe keinen nachhaltigen Neopren, bevor du diese 17 Tipps nicht kennst. https://ozon-io.de/2021/11/neopren-nachhaltig-umweltreundlich-biopren/, besucht am 15.1.2022).

Die Textilindustrie stellt in Sachen Nachhaltigkeit eines der meist diskutierten – da grössten – Problemfelder dar. Geht die Entwicklung der letzten Jahre so weiter, dürfte sie bis 2050 für einen Viertel aller Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sein (Chris remington. Reducing the carbon footprint in textile manufacturing. https://www.ecotextile.com/sponsored-content/reducing-the-carbon-footprint-in-textile-manufacturing.html, besucht am 15.1.2022). Zumal in dieser Industrie auch immer wieder Produktionsbedingungen und Sicherheitsvorkehrungen in Fabriken, Kinderarbeit, Arbeitsrecht oder Entlohnung Anlass zur Sorge geben.


C. Schutz der Biodiversität


Neben dem Thema Klima und Treibhausgase ist im Wassersport noch ein weiteres Thema im Zusammenhang mit dem Leben im Wasser und an Land von grosser Relevanz. Die Biodiversität hat in den letzten Jahren massiv unter durch den Menschen verursachten Entwicklungen wie Zersiedelung, Landwirtschaft, Strassenbau und nicht zuletzt dem Klimawandel gelitten (Razan Al Mubarak, Can the twin crisis of biodiversity loss and mitigating climate change be tackled together? <https://www.weforum.org/agenda/2021/05/twin-crises-biodiversity-loss-and-mitigating-climate-change-tackled-together/> besucht am 16.11.2021). Gerät die Biodiversität aus dem Gleichgewicht, sei es durch Artensterben, Monokulturen oder Vertreibungen, besteht die Gefahr unabsehbarer Folgen für das Klima.

Umso wichtiger ist es, dass der Mensch insbesondere dort, wo er mit anderen Arten in Berührung kommt, Vorsicht walten lässt. Und das ist bei Wassersportarten sowohl an Land als auch im Wasser der Fall. Lärm, Abfall, oder das Eindringen in Lebensräume von Tieren und Pflanzen können einen verheerenden Einfluss auf die Biodiversität haben. Dies sollten sich Wassersporttreibende stets bewusst sein und entsprechende Vorsichtsmassnahmen treffen. Das beginnt bei der Angewohnheit, einen Platz so zu verlassen, wie man ihn angetroffen hat und hört dort auf, wo man sich bei lokalen Behörden im Vorfeld informiert, ob es irgendwelche Besonderheiten oder Umstände zu beachten gilt, welche vor Ort herrschen.

Wie gross der menschliche Einfluss auf die Biodiversität sein kann, zeigte die Dokumentation «The Year Earth Changed» von Sir David Attenborough im Jahr 2021 auf beeindruckende Art und Weise. Entstanden während des Lock-Downs im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie wurde veranschaulicht was passiert, wenn der Mensch nicht mehr das dominierende Wesen in einem Ökosystem ist; Schildkröten konnten wieder ungestört ihre Eier ausbrüten, Pinguine kamen zu einer zusätzlichen Mahlzeit und bauten so ihr eigenes Immunsystem wieder auf, Walkälber konnten über viel grössere Distanzen mit ihrem Nachwuchs kommunizieren und Stadtrehe eroberten Landstriche zurück, welche davor für sie nicht mehr begehbar waren.



III. Einflussmöglichkeiten für Wassersporttreibende


Vor diesem Hintergrund und angesichts der bereits angesprochenen Material- und Transportthematik lohnt es sich, einen Blick auf die Massnahmen zu werfen, welche Wassersporttreibende ergreifen können, um ihren ökologischen Fussabdruck zu verkleinern und gleichzeitig ihren positiven Handabdruck zu vergrössern. Basierend auf der Aussage, dass das nachhaltigste Produkt jenes ist, das gar nie produziert wird, könnte man auf den Wassersport übertragen behaupten, dass der positivste Einfluss, den Wassersporttreibende haben können dadurch entsteht, dass sie einfach ihren Sport nicht mehr weiter ausüben. Das ist eine durchaus legitime Forderung, denn es gibt grundsätzlich weder ein Recht noch eine begründbare Notwendigkeit für Wassersport. Allerdings kann diese Haltung auf sehr viele Bereiche in unserem Leben angewendet werden; es gibt auch kein Recht auf Fleischkonsum, oder ein Recht auf das Fahren eines Autos oder ein Recht auf einen Wochenend-Städtetrip nach New York. Und dennoch ist all das Teil unseres Alltags, gehört es zur alltäglichen Realität. Darum geht es vor allem darum, die Kehrseiten unserer Aktivitäten stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken, damit das eigene Verhalten entsprechend angepasst werden kann und Entscheidungen in Zukunft bewusster getroffen werden – im Sinne einer nachhaltigeren und zukunftsfähigeren Gesellschaft. Für Wassersporttreibende drehen sich die Entscheidungsfelder insbesondere um folgende Themen:


1. Reiseverhalten

25% des globalen CO2-Ausstosses gehen auf die Mobilität zurück. Über ¾ davon entstehen dabei auf der Strasse, wobei hier sowohl Berufs- und auch Freizeitverkehr darunterfallen.Heute verursacht die individuelle Mobilität 20% des CO2-Ausstosses eines Durchschnittsbürgers (Umwelt Bundesamt. CO2-Fussabdrücke im Alltagsverkehr 2020. Datenauswertung auf Basis der Studie Mobilität in Deutschland). Fragen «wie man reist», sind also von zentraler Bedeutung. Kann man zum Bestimmungsort zu Fuss oder mit dem Fahrrad gelangen? Gibt es öffentliche Verkehrsmittel oder ist man auf ein Auto angewiesen? Wenn dem so ist: besteht die Möglichkeit, zusammen mit anderen zu fahren? Sofern ein Flieger bestiegen werden muss, stellt sich die Frage nach Kompensationen. Diese sind grundsätzlich nicht schlecht, sollten aber so gewählt werden, dass sie möglichst schnell eine Wirkung erzielen. An nachhaltigsten bleibt aber der Verzicht auf das Flugzeug.


2. Aufenthaltsdauer

Wenn schon geflogen werden muss, dann sollte beachtet werden, dass die Aufenthaltsdauer mit der Reisedauer in einem vernünftigen Verhältnis steht. Lieber fliegt man einmal im Jahr vier Wochen ans Meer statt zwei mal zwei Wochen. Dies halbiert den Reise-Impact bei gleichbleibender Aufenthaltsdauer.


3. Verhalten vor Ort

Es bringt nur bedingt etwas, mit dem Zug anzureisen, wenn man vor Ort alle Nachhaltigkeitsvorsätze über Bord wirft. Heisst: lokal einkaufen, regionale, saisonale Produkte konsumieren (möglichst Pflanzen-basiert), den öffentlichen Verkehr oder das Fahrrad benutzen, Abfall vermeiden, die Unterkunft bewusst wählen. Zum letzten Punkt: es macht einen grossen Unterschied, ob man bspw. in einem 3- oder 5-Sterne Hotel untergebracht ist (Bio Hotels. Der CO2-Fussabdruck von Hotels. <https://biohotels.de/CO2-Fussabdruck> besucht am 30.11.2021).


4. Umgang mit Abfall

Abfall in Gewässernähe oder im Wasser kann für die Natur, ihre Bewohner und die Wassersportler*innen selbst gefährlich sein. Ziel muss es darum sein, den Abfall zu reduzieren und wenn immer möglich zu trennen, recyceln und kompostieren. Wer lokal Gutes tun will, kann z.B. an einem örtlich organisierten „Beach Clean-up” Event teilnehmen. Diese sind auch aus sozialer Perspektive interessant, denn hier treffen Auswärtige auf Einheimische. Das fördert das Verständnis füreinander und den konstruktiven Dialog, was sich wiederum auf die soziale Nachhaltigkeit positiv auswirkt.


5. Beschaffung von und Umgang mit Materialien

Wie bereits erwähnt können Wassersportarten sehr materialintensiv sein. Darum ist es ganz entscheidend, sich mit der Beschaffungsfrage auseinanderzusetzen. Aus welchem Material muss die Ausrüstung sein und gibt es nachhaltige und weniger nachhaltige Optionen dafür? Wie wurden diese Materialien hergestellt, durch wen und wo? Ein wichtiges Kriterium für die Nachhaltigkeit von Materialien ist deren Lebensdauer. Das Ziel muss es sein, Materialien so lange wie möglich nutzen zu können. Sie sollten einfach reparierbar sein und wiederverwendet werden können. Wenn nicht durch die Wassersportler*innen selbst, dann durch eine Drittperson oder Organisation.


6. Nachhaltigkeits-Champions identifizieren

Wer in einem Club oder Verband tätig ist, kann dort die Frage aufwerfen, ob und wer für das Thema Nachhaltigkeit zuständig ist. Und sollte noch niemand die Verantwortung tragen, bietet sich hier die ideale Gelegenheit, einen positiven Beitrag zu leisten. Es ist wichtig, dass es in der Organisation eine Person gibt, welche sich der Thematik annimmt, Ressort-übergreifend agieren kann und einen pragmatischen Zugang zur Nachhaltigkeit findet. Massnahmen zu initiieren ist relativ einfach. Sie umzusetzen je nach Organisationsstruktur weniger. Da braucht es neben einem ausgewiesenen Fingerspitzengefühl für die Anliegen der verschiedenen Anspruchsgruppen auch viel Empathie und ein gutes Kommunikationsvermögen. Und nicht zuletzt Budgets, mit welchen geplante Massnahmen auch finanziert werden können.

7. Leitfaden und Tricks erstellen

Eine Aufstellung von Massnahmen und Tipps, wie sich eine jede und ein jeder nachhaltiger verhalten kann, hilft, das Thema bei allen Mitgliedern zu platzieren. Und viele dieser Tipps lassen sich auch einfach auf die eigenen vier Wände übertragen. Im Internet finden sich viele solcher Nachhaltigkeitstipps und Leitfäden. Zu empfehlen sind insbesondere die von Naturschutzorganisationen wie WWF oder Greenpeace. Solche Tipps können auch gut in einer Gruppendiskussion oder per Fragebogen unter den Mitgliedern zusammengetragen werden. Über eine Art „crowd-sourcing“ kann man sich so das Wissen der Vereinsmitglieder zunutze machen.


8. Richtige Kleidung und Ausrüstung

Ähnlich wie beim Thema Materialien gilt es auch bei Kleidungsthemen darauf zu achten, woher diese stammen und wie, von wem und woraus sie produziert wurden. Meistens lohnt es sich, etwas mehr Geld zu investieren, weil man dafür hochwertigere und widerstandsfähigere Produkte erhält. Neben der Verlängerung der Lebensdauer trägt man diesen normalerweise auch eher Sorge und hat bessere Chancen, sie am Ende ihres Einsatzzeitraums über Tauschbörsen gebraucht weitergeben zu können.


9. Elektroboote einsetzen

Sei es bei Ruder- oder Segelregatten, vor allem aber in Sportarten wie Wasserskifahren oder Wakeboarden; Boote mit Verbrennungsmotoren sind nach wie vor ein Teil der Wassersportwelt. Die heutigen Möglichkeiten im Bereich der Elektromobilität bieten aber Alternativen. Zur Verminderung von Emission, aber auch zur Lärmreduktion und um die Qualität des Sports zu erhöhen. Ein Elektroboot bspw. kann durch einen sich etwas weiter hinten befindenden Schwerpunkt bessere natürliche Wellen produzieren als klassische Motorboote (Yacht Review. Super Air Nautic 210 Electric Fahrbericht, 2016. <https://www.yachtrevue.at/yachten/motorboottests/super-air-nautique-electric-test-6500636> besucht am 26.11.2021).



IV. Wassersport-Vorbilder in Sachen Nachhaltigkeit


Dass Wassersporttreibende als Individuen bewusste Entscheidungen treffen, ist wichtig. Gerade so wichtig ist es aber auch, dass Vereine, Verbände oder einzelne Teams mit gutem Beispiel vorangehen und einen Weg weisen, dem andere folgen können. In der Folge werden drei internationale Beispiele vorgestellt, die durchaus als Leuchtturm-Projekte in Bezug auf nachhaltigen Wassersport herangezogen werden können. Sie zeigen, wie die Themen Nachhaltigkeit, Gewässerschutz und Klimawandel aufgenommen und als Teil der eigenen Wertewelt behandelt werden können.


A. 11th Hour Racing


Die US-amerikanische Organisation „11th Hour Racing“ arbeitet mit der Segelgemeinschaft und der maritimen Industrie zusammen, um Lösungen und Praktiken zu fördern, die die Gesundheit unserer Ozeane schützen und wiederherstellen (11th Hour Racing. Offizielle Webseite. https://11thhourracing.org/, besucht am 21.10.2021). Der Name „11th Hour“ rührt von der englischen Übersetzung für „5 vor 12”, womit bereits im Namen auf die Dringlichkeit ihrer Anliegen aufmerksam gemacht wird.

11th Hour Racing umfasst Sponsor*innen, Stipendiat*innen und Botschafter*innen, die Nachhaltigkeit in ihre Werte und Tätigkeiten integrieren und gleichzeitig die Menschen mit der wichtigen Botschaft der Verantwortung für die Ozeane aufklären, innovieren und inspirieren. Dies geschieht unter anderem durch das eigene Segel-Team, welches auch am Ocean Race teilnimmt, einer der härtesten Segel-Regatten der Welt. Die Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt aller Teamaktivitäten, wobei die Segel- und Küstengemeinden sowie die Sportfans weltweit zu positivem Handeln inspiriert werden sollen.


B. World Sailing


World Sailing, der Weltsegelverband, wurde bereits mehrfach für seine Nachhaltigkeitsbemühungen ausgezeichnet. Er lancierte 2020 das „World Sailing Sustainability Education Programme” (World Sailing. World Sailing Sustainability Education Programme. <https://www.sailing.org/news/90042.php#.YaYjyr3MI-Q> besucht am 21.10.2021) und war einer der ersten Unterzeichner des „Sports for Climate Action Framework“ der Vereinten Nationen. Die SDGs referenzierend veröffentlichte der Verband sechs Informationsbroschüren, in denen er auf die grössten Einfluss-Gebiete des Segelsports eingeht. Auch wenn es sich „nur” um die Sportart Segeln handelt sind viele der behandelten Themen auch auf andere Wassersportarten anwendbar. Die Broschüren sind informativ, in mehreren Sprachen erhältlich und auch für Menschen ohne Vorkenntnisse eine wunderbare Hilfestellung, um sich mit den Herausforderungen im Bereich Nachhaltigkeit im Wassersport auseinanderzusetzen.


C. World League Surf


Die World Surf League ist seit 2015 eine Vereinigung von professionellen Surfern und Ausrichterin der Weltmeisterschaften im Wellenreiten (World Surf League. Offizielle Webseite. <https://www.worldsurfleague.com/> besucht am 21.10.2021). Sie hat sich 2019 zur Klimaneutralität verpflichtet, verzichtet auf Einwegplastik bei ihren Veranstaltungen und arbeitet mit Gemeinden und Regionen zusammen, um die Küstengebiete zu erhalten, in denen ihre Athleten antreten. "Unsere Mission als Organisation ist es, die Welt durch die transformative Kraft des Surfens zu einem besseren Ort zu machen. Ein grosser Teil davon ist sicherzustellen, dass wir uns unserer Verantwortung für die Umwelt stellen", sagt ihr Senior Vice President of Ocean Protection, Reece Pacheco zu den eigenen Ambitionen.



V. Wie steht es um den Schweizer Wassersport?


„11th hour Racing”, „World Surf League”, „World Sailing Sustainability Education Programme” sind Beispiele dafür, wie Nachhaltigkeitsthemen in der internationalen Wassersportwelt behandelt werden. Doch wie sieht es mit den Bemühungen der Schweizer Wassersportverbände in diesem Bereich aus? Ein Blick auf die Webseiten der Schweizer Wassersportverbände gibt erste Rückschlüsse. Untersucht wurde, ob zu Stichworten wie „Nachhaltigkeit”, „Natur”, „Umweltschutz”, „Verantwortung” oder „Engagement” Informationen auffindbar sind und ob es in der Geschäftsleitung oder im Verein Personen gibt, welche sich diesen Themen gezielt annehmen.


A. Kanu / Kayak Verband (www.swisscanoe.ch)


Swiss Canoe ist die Dachorganisation der Schweizer Kanu-Clubs und engagiert sich unter anderem für die Erhaltung der freien Befahrbarkeit der Gewässer in ihrer natürlichsten Form und die Sicherung eines attraktiven Angebots an Kanuflüssen jeglichen Schwierigkeitsgrades. Seit 2009 führt der Schweizerische Kanu-Verband in Zusammenarbeit mit dem WWF das „Wasserzeichen” durch. Bei dieser Kanufahrt mit Paddlerinnen und Paddlern aus der ganzen Schweiz macht Swiss Canoe auf die Wichtigkeit von frei fliessenden Gewässern aufmerksam. Es muss allerdings erwähnt werden, dass seit 2015 laut Webseite kein "Wasserzeichen" mehr organisiert wurde.

Per 01.01.2022 hat der Schweizer Sport mit dem neuen Ethik-Statut ein wirksames Instrument zur Untersuchung, Ahndung und Vermeidung von Ethik-Vorfällen erhalten. Zu diesem bekennt sich Swiss Canoe vorbehaltlos und damit zu einem sicheren, fairen und dopingfreien Sport. Das Leitbild des Verbandes zeigt, dass Themen wie Nachhaltigkeit oder Gewässerschutz von grosser Wichtigkeit sind. Hier ein Auszug daraus:

Rücksicht und Nachhaltigkeit

„Bei der Ausübung unseres Sportes nehmen wir Rücksicht auf Natur, Umwelt und Mitmenschen. Wir streben nach ökologisch verträglichem Verhalten, sei dies bei der Nutzung der Gewässer und der Ufer, bei der An- und Rückfahrt oder bei der Beschaffung und Entsorgung unserer Ausrüstung. Die Anwohner der Gewässer, ihr Privateigentum und ihren Grundbesitz respektieren wir.”

Erhaltung der Gewässer

„Wir setzen uns für die Erhaltung unserer Gewässer und insbesondere für deren Nutzung für den Kanusport ein. Auch bei heute nicht mehr fahrbaren Gewässern bemühen wir uns, Möglichkeiten für eine erneute Nutzbarmachung zu finden. Dazu suchen wir die konstruktive Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden, Kraftwerkgesellschaften und anderen Interessenkreisen.”

Mit Julian Schäfer verfügt der Kanuverband über eine Person, welche sich offiziell um das Ressort „Gewässer und Umwelt” kümmert.


B. Ruderverband (www.swissrowing.ch)


Der Schweizerische Ruderverband (SRV-FSSA-FSSC) ist der Dachverband der Ruderclubs, der regionalen Ruderverbände sowie der Regattaveranstalter in der Schweiz. Laut Verbandsstatuten setzt er sich für einen gesunden, respektvollen, fairen und erfolgreichen Sport ein. Er lebt Fairplay vor, indem er – sowie seine Organe und Mitglieder – dem Gegenüber mit Respekt begegnet, transparent handelt und kommuniziert. SWISS ROWING anerkennt die aktuelle „Ethik‐Charta“ des Schweizer Sports und verbreitet die Ethik‐Prinzipien in seinen Mitgliedsvereinen. Im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit ist er also vergleichbar weit wie andere vom olympischen Dachverband Swiss Olympic unterstützten Verbände.

Was auffällt ist aber, dass keine Informationen zu ökologischen Nachhaltigkeitsthemen auf der Seite auffindbar sind. Zwar gibt es Fahr- und Verhaltensregeln auf Gewässern. Diese beziehen sich aber eher auf technische Aspekte oder auf Wetterbedingungen als auf den Gewässerschutz. So überrascht es denn auch nicht, dass laut Verbandsstruktur keine Person für das Thema Umwelt oder Nachhaltigkeit zuständig zu sein scheint.


C. Segelverband (www.swiss-sailing.ch)


Seit seiner Gründung im Jahr 1939 vertritt Swiss Sailing die Interessen des schweizerischen Segelsports in all seinen Formen und nimmt alle Aufgaben wahr, die der Förderung des Segelsports dienen. Unter der Rubrik Ethik und Werte wird einerseits aufgeführt, dass man die Ethik-Charta des Schweizer Sports anerkennt. Andererseits führt der Segelverband Schwerpunktthemen für seine Ethik-Mehrjahresplanung 2021-2024 auf. Er weist dabei darauf hin, dass die Verankerung der Umweltverantwortung in der „Segler-Community“ weiterhin ein Schwergewichtsthema ist und damit für die nächsten Jahre von zentraler Bedeutung für Swiss Sailing bleiben wird.

Zum Thema „Nachhaltigkeit im Segelsport“ gibt es eine eigene Unterseite. Auf dieser wird darauf hingewiesen, dass für Swiss Sailing der Klimaschutz sowie eine intakte Umwelt und Wasserlandschaft wichtig sind. Der Verband möchte seine Mitglieder für eine plastikfreie Umwelt und einen sorgsamen Umgang mit der Natur sensibilisieren und unterstützt u.a. das „Sustainability Education Programme“, das Nachhaltigkeitsprogramm von World Sailing. Mit konkreten Hinweisen darauf, was man als Segelverein tun kann, um ein Zeichen insbesondere gegen die Verschmutzung mit Plastik aller Art zu setzen, empfiehlt Swiss Sailing drei Massnahmen, welche durchaus auch für andere Verbände von Interesse sein könnten:


  1. Plastikfreie Clubhäuser und Veranstaltungen: keine PET Flaschen (nur Glas oder abfüllbare Flaschen der Teilnehmer für Wasser) und keine Plastiksäcke für Lunch etc.

  2. Keine Aufkleber irgendwelcher Art aus Plastik (Startnummern, Klassenkennzeichen, Werbung) auf Booten und Autos, sondern Ersatz aus wiederverwendbaren Flaggen und Blachen an der Reling bei Yachten. Swiss Sailing wird keine Plastikkleber mehr produzieren.

  3. Wo immer möglich Einsatz von eMotoren bei Begleitbooten, Bojenlegern etc.


Mit dem Fokus auf Plastikverschmutzung zeigt der Verband, dass er für sich eine Wesentlichkeitsanalyse gemacht hat. Sich also damit auseinandergesetzt hat, wo er den grössten negativen Einfluss hat. Das ist ein wichtiger Schritt für die Implementierung von Nachhaltigkeitsstrategien.

Letztlich beweist der Segelverband, dass man auch von einem starken globalen Verband profitieren kann. Dass der Schweizer Verband die vom globalen Dachverband World Sailing zur Verfügung gestellten Ressourcen zu nutzen weiss, ist ein starkes Signal und eines, welches hoffentlich sportartenübergreifend ausstrahlen wird. Abstriche gibt es aus „Governance“-Sicht dafür, dass nicht erkennbar ist, wer im Verband für das Thema Nachhaltigkeit zuständig ist.


D. Windsurf (www.windsurf.ch)


Die Gemeinsame Webseite für Schweizer Windsurf-Organisationen informiert primär über die Möglichkeiten, Windsurfsport in der Schweiz durchzuführen. Es wird auf die verschiedenen Vereine, Schulen und Clubs hingewiesen, welche Windsurfsport anbieten. Swiss Windsurfing ist ein anerkannter Partner von Swiss Sailing. Die Surfclubs und Klassen sind Mitglieder bei Swiss Sailing. Direkte Informationen zum Thema Umweltschutz oder Nachhaltigkeit finden sich auf der Webseite aber keine. Auf den sportarteigenen Seiten von Swiss Windsurfing oder Foilmania gibt es ebenfalls keine Hinweise zum Thema. Hier handelt es sich aber um Vereine, nicht um Verbände. Und durch die Anbindung an Swiss Sailing kann argumentiert werden, dass Nachhaltigkeitsinformationen über die „Mutter-Seite“ durchaus auffindbar sind, wenn man danach sucht.


E. Unterwasser-Sport-Verband (www.susv.ch)


Der Schweizer Unterwasser-Sport-Verband (SUSV) ist der Verband aller Tauchsportler*innen des Landes. Er unterhält zwei eigene Umwelt-Kommissionen und fördert darüber die Wahrnehmung und das Verständnis der Taucher*innen und der Unterwassersporttreibenden für die Natur und für das kulturelle Erbe unter Wasser.

Die Umwelt-Kommissionen sind für die Durchführung von Kursen, Seminaren, Vorträgen, Teilnahmen an Messen und anderen Massnahmen verantwortlich und halten Kontakt mit anderen Organisationen im In- und Ausland, die die gleichen oder ähnlichen Ziele verfolgen. Die Kommission der «Unterwasserarchäologie» nimmt Fundmeldungen von Taucher*innen entgegen, kümmert sich um die korrekte Weiterleitung und organisiert mehrmals jährlich Weiterbildungskurse, Vorträge und Exkursionen.

Die Kommission «Unterwasserbiologie» setzt sich für den Schutz der Unterwasserwelt ein und ist Kontaktstelle für Anfragen im Zusammenhang mit biologischen, chemischen und physikalischen Themen in und um schweizerische Gewässer. Ausserdem plant und organisiert sie Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen zu biologischen Themen vorwiegend in heimischen Gewässern. Sowohl die Kommission Unterwasserarchäologie als auch Unterwasserbiologie verfügen über jeweilige Ansprechpersonen für Rückfragen und weitere Informationen.


F. Swiss Aquatics (www.swiss-aquatics.ch)


Der Schweizerische Schwimmverband (Swiss Swimming Federation) ist der nationale Fach- und Dachverband für die Bewegung im Wasser und die treibende Kraft im schweizerischen Schwimmsport und in der Wasserausbildung von Kindern und Erwachsenen. Er zählt mit ca. 80'000 Mitgliedern und 200 Vereinen zu den grössten Schweizer Sportverbänden. Der Fokus liegt auf der Förderung des Spitzen-, Breiten- und Freizeitsports in verschiedenen ihm angegliederten Wassersportarten.

Während keine Hinweise auf ökologische Themen auf der Seite auffindbar sind und auch keine Person mit damit verbundenen Themen identifiziert werden kann, finden sich auf der Seite ausführliche Informationen zu „Swiss Sport Integrity“, der Melde- und Untersuchungsstelle für Ethikverstösse im Schweizer Sport.



Das Fazit: Das Ausmass, mit welchem Nachhaltigkeitsthemen in den verschiedenen Verbänden behandelt wird, variiert stark. Swiss Sailing kann von der Vorarbeit des internationalen Segelverbandes profitieren, setzt aber auch auf der eigenen Agenda wichtige Schwerpunkte und liefert seinen Vereinen konkrete Tipps, wie sie nachhaltiger agieren können. Unterwassersporttreibende erhalten in ihrem Verband insbesondere im Bereich Aus- und Weiterbildung Unterstützung. Dem gegenüber gibt es in anderen Verbänden im Moment weder Inhalte noch zuständige Personen. Das mag mit dem Professionalisierungsgrad der Verbände zu tun haben oder mit einem anderen Fokus. Was auffällt: alle untersuchten Verbände stehen hinter der Ethik-Charta des Schweizer Sports und einige weisen bereits auf die neu geschaffene Meldestelle „Swiss Sport Integrity“ hin. In Sachen sozialer Nachhaltigkeit kann also zumindest ein wichtiger Etappensieg verzeichnet werden. Es herrscht in Sachen Sensibilisierung für Umwelt-Themen aber noch grosses Verbesserungspotential. Gerade angesichts der Tatsache, dass die meisten Wassersportarten dermassen stark mit der Natur in Verbindung stehen, sollte man sich hier überlegen, was man zur Aufklärung der Verbands- und Vereinsmitglieder tun kann, um einen positiven Einfluss zu bewirken.


VI. Zusammenfassung


In der Nachhaltigkeit geht es darum, mit unserem aktuellen Tun die Bedürfnisse der zukünftigen Generationen nicht aufs Spiel zu setzen. So, wie der Mensch im Moment agiert, ist es aber alles andere als nachhaltig. Das bezieht sich auch auf den Wassersport. Damit auch in 30 bis 50 Jahren Wassersport in seiner heutigen Form betrieben werden kann, muss man dem Umfeld, in das er eingebettet ist, besser Sorge tragen. Dazu bedarf es in erster Linie Aufklärung darüber, was durch unser eigenes Tun bewirkt wird. Im negativen wie im positiven. Ohne Verzicht dürfte es letztlich allerdings kaum gehen. Das zeigt sich auch in anderen Lebensbereichen, die mit dem Freizeit- oder Konsumverhalten zu tun haben. Und im einschneidendsten Fall sind sogar Verbote denkbar, wenn die intrinsisch motivierten Verhaltensveränderungen nicht die gewünschte Resultate bringen.

Insbesondere für den Aufklärungs-Teil braucht es funktionierende Strukturen, Verbände und Vereine. Sie haben die Möglichkeit, auf ihre Mitglieder, in unserem Fall die Wassersporttreibenden, Einfluss zu nehmen und sie für Nachhaltigkeits-Themen zu sensibilisieren.


Wie die obigen Ausführungen gezeigt haben, braucht es für die Ausübung von Wassersport vor allem auch eine intakte Natur. Allein schon die Tatsache, dass man auf das Element Wasser angewiesen ist, verdeutlicht dies. Die Natur ist dann intakt, wenn sie wenigen oder besser keinerlei Störungen ausgesetzt ist. Es sollte also im Interesse aller Wassersportler*innen sein, der Natur und insbesondere allem, was mit Wasser zu tun hat, Sorge zu tragen. Dies kann man primär über das eigene Verhalten steuern, aber auch über die Wahl und den Umgang mit Materialien und Ausrüstungen, welche zur Ausübung des Sports benötigt werden. Mit kleinen und grossen Entscheidungen kann jedes Individuum einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit im Wassersport leisten. Und wenn man Möglichkeiten findet, über grössere Institutionen wie Clubs oder Verbände diese individuellen Entscheidungen zu multiplizieren und skalieren, lassen sich sichtbare, messbare und spürbare Veränderungen herbeiführen. Hier stehen die entsprechenden Organisationen aber in der Pflicht mehr zu tun und ihre Verantwortung gegenüber gesellschaftlich relevanten Themen wahrzunehmen. Es geht darum, Vorbild zu sein, mit gutem Beispiel voranzugehen, Verantwortlichkeiten und Zielsetzungen zu definieren und klar zu kommunizieren, Aufklärungsarbeit zu leisten und das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung in Zukunftsstrategien zu verankern. Damit soziale, ökologische und ökonomische Themen im Einklang stehen. Für das Wohl des Wassersports von morgen.

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